Feelerkorrecktur mit Rot-Grün

Stellen Sie Sich einmal vor...

Hans geht seit 4 Jahren in die Schule. Er beherrscht die Buchstabenkunst schon fast wie ein grosser Dichter. Wenn die Lehrerin das Aufsatzheft mit folgenden Worten zurück gibt:„Toll Hans, du hast eine grossartige Geschichte geschrieben... und schau einmal, wie viel du richtig geschrieben hast!“ beginnen die Augen von Hans zu leuchten.

Hans öffnet das Heft und bestaunt die leicht grün kolorierte Seite. Nur wenige Stellen sind nicht grün markiert. Klein Hans fühlt sich gut.

Wenn er das Heft zurück blättert sieht er, nur wenige grüne Stellen auf der Seite. Nach dem Motto je grüner desto besser... blättert Hans das Heft durch und freut sich an seinen Fortschritten. Das Selbstvertrauen von Hans wächst und wächst!

Korrektur Ansicht rot grün

Halt! Das klingt wie ein Märchen!

Einverstanden. Schauen wir uns einmal die Realität an.

Korrigiert werden die Fehler mit ROT. Besprochen und gezählt werden die Fehler. Das Augenmerk liegt bei den Fehler. Wenn ich meine Schüler frage: „Was könnt ihr nicht?“ ‐ schrieben Sie lange Auflistungen. Frage ich hingegen: „Was könnt ihr gut?“ ... Sitzen die Schüler zum Teil lange vor dem Blatt bevor Sie etwas schreiben. Machen sie doch den Versuch einmal mit sich selbst. Nehmen sie sich einige Minuten Zeit – und schreiben sie alles auf, was sie gut können...

Da passiert doch was im Kopf? Oder nicht? Wie sieht das Selbstbild aus, wenn ich alles Gute sehe? Oder wie fühlen sie sich, wenn sie an alles denken, was sie NICHT können?

Soviel zur Theorie. In der Praxis sieht das viel anders aus... „Ich muss doch den Schülern sagen, was sie falsch machen! Aus den Fehlern lernt man doch!“ Wie kann ich diese Informationen in meine Praxis einbauen?

Fehler machen alle. Das ist auch gut so. Als Lehrperson / Trainer / Seminarleiter ist es mir wichtig, das Selbstvertrauen der Lerner/innen zu fördern.

Das positive Lernerlebnis erleichtert die Stoffaufnahme und steigert die Motivation. Das Augenmerk liegt nicht bei den Fehlern, sondern bei den Fortschritten. Dem Lerner darf sein „Wachsen“ bewusst werden. „Wie sag ich’s dem Kinde?“ Bevor sie an den Formulierungen der Fehlerkorrektur herum schleifen, werfen sie doch einen Blick nach innen.

Wann und wo haben sie sich beim lernen besonders wohl gefühlt? Wie gross sind meine Erwartungen an den Lernenden? Muss der Lernende wirklich alles wissen und „perfekt“ handhaben? Bilden sie Anfänger oder Experten aus? Wie war das, als sie den Stoff erlernten? Wie wäre das, wenn sie ihre persönliche Erwartungshaltung überprüfen und neu einstellen?

Suchen sie nicht die Fehler sondern sehen sie die FORTSCHRITTE. In wiefern diese neue Einstellung Auswirkungen auf die „Arbeitsfreude“ hat, können nur sie selbst heraus finden.

Ach übrigens, ... und was können Sie gut?

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